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Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Körper, Seele und Geist gehören zusammen. Deshalb bekommt in unserer Praxis in Wiesbaden auch die Psyche je nach Bedarf und Möglichkeit den nötigen Raum. Oft zeigt sich schon in einem ausführlichen Erstgespräch, ob ein Patient psychische Unterstützung benötigt und welche Verfahren dafür besonders geeignet erscheinen.

Unser Spezialist für die Psyche ist Dr. Frank Jaschke. Aufgrund seiner umfangreichen psychotherapeutischen Ausbildung und langjährigen Erfahrung kann er am besten einschätzen, ob in Ihrem Fall z.B. eine Hypnose, eine psychosomatische Kurzintervention oder eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) in Frage kommt.

Wann ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll?

Psychische Erkrankungen

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie eignet sich für sehr viele Beschwerden, bei deren Entstehung psychische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Sie kann sehr breit eingesetzt werden. In Frage kommt sie z.B. bei der Behandlung von Ängsten, Depressionen, Trauerreaktionen, ausgeprägten Versagensängsten und funktionellen Störungen. Auch wenn man in Krisen – z.B. beim Erwachsenwerden oder in der Lebensmitte – manche Dinge noch nicht oder nicht mehr auf die Reihe bekommt, kann eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll sein. Voraussetzung ist allerdings, dass der Patient bereit ist, sich mit dem Konflikt oder den Konflikten im Hintergrund auseinanderzusetzen.

Mitunter sind es auch einfach nur schädliche Verhaltensweisen, die eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll erscheinen lassen. Das können z.B. ein gesundheitsschädliches Essverhalten, übermäßiger Alkohol- und Medienkonsum oder Trägheit mit resultierendem Bewegungsmangel sein. Ein anderes Beispiel wären wenig hilfreiche Verhaltensmuster, die eine konstruktive Konfliktlösung behindern. Diese könnten z.B. dazu führen, dass wir bei Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz, mit dem Partner oder unseren Kindern immer wieder ähnlich (z.B. indem wir uns zurückziehen, unseren Ärger immer wieder in uns „hinein fressen“ oder indem wir Brüllen) reagieren und dadurch die Situation verschärfen.

Spätestens wenn solche Verhaltensweisen die Lebensqualität spürbar einschränken bzw. die Gesundheit gefährden, besteht Handlungsbedarf. Eine vielversprechende Therapieoption bietet hierfür die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Körperliche Erkrankungen

Auch körperliche Erkrankungen können einen psychosozialen Hintergrund haben. Das ist schon lange bekannt. Betrachten wir als Beispiel die Koronare Herzkrankheit (KHK) und den Herzinfarkt.
Die epidemiologische Forschung hat immer wieder versucht, „Risikopersönlichkeiten“ zu definieren.
Schon der berühmte kanadische Arzt Sir William Osler (1849–1919), Medizinprofessor in Oxford, beschreibt gefährdete Personen als temperamentvolle und außerordentlich ehrgeizige Menschen, die alles energisch anpacken: „whose engine is always at full speed ahead“.

Auch Wilhelm Busch (1832–1908) scheint die Risikopersönlichkeit des KHK-Kranken gekannt zu haben: „Wirklich, er war unentbehrlich! / Überall, wo was geschah, / Zu dem Wohle der Gemeinde, / Er war tätig, er war da. / Schützenfest, Kasinobälle, Pferderennen, Preisgericht, / Liedertafel, Spritzenprobe, ohne ihn, da ging es nicht. / Ohne ihn war nichts zu machen, / Keine Stunde hatt' er frei. / Gestern, als sie ihn begruben, / War er richtig auch dabei.“

Eine große Studie (INTER-HEART) aus dem Jahr 2004 mit rund 30.000 Teilnehmern in 52 Ländern zeigte u. a. , dass an jedem dritten Herzinfarkt psychosoziale Risikofaktoren beteiligt sind. Der Einfluss des Rauchens liegt in dieser Studie in der der gleichen Größenordnung.

Einige wichtige psychosoziale Faktoren für das Auftreten von KHK konnten durch die Forschung gesichert werden:

Während früher der Infarkt die „Managerkrankheit“ war, steigt heute die Häufigkeit des Auftretens von KHK und Herzinfarkt um das Dreifache durch einen niedrigen sozialen Status. Weiterhin spielen eine wichtige Rolle: ein hohe berufliche Verausgabung bei geringer Gegenleistung (Gehalt, Sicherheit des Arbeitsplatzes); negative Emotionen: chronischer Ärger, phobische Angst, Depressivität; Partnerschaft: gute Partnerschaft reduziert kardiale Ereignisse und Sterblichkeit, chronische Partnerschaftskonflikte steigern KHK-Risiko. Für Frauen scheint Familienstress ein relevanterer Faktor zu sein als Berufsstress.
Psychosoziale Interventionen senken die Sterblichkeit an KHK und Herzinfarkt um 20–30 %.

Was geschieht bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie?

Wie die Psychoanalyse arbeitet die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie auf Grundlage der psychoanalytischen Krankheitslehre. Entsprechend geht sie davon aus, dass unbewusste psychodynamische Prozesse eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen und unser Verhalten spürbar beeinflussen.

Demgemäß zielt die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie auf unser Unterbewusstes. Wie die Psychoanalyse (siehe unten) kennt sie die Arbeit mit Widerstand, Übertragung und Gegenübertragung.
Widerstand in der Therapie bezeichnet das Sich-zur-Wehr-Setzen gegen die Einflüsse des Therapeuten. Ausdrucksformen des Widerstandes können z.B. häufiges Zuspätkommen, „Vergessen“ von Sitzungen oder konsequentes Vermeiden tiefergehender Themen sein. Ein behutsamer Umgang und vorsichtige Deutung des vom Therapeuten beobachteten Widerstandsphänomens kann der Wegweiser zum zugrundeliegenden Konflikt sein. Widerstand muss aber auch als berechtigter Selbstschutz des Patienten respektiert werden.

Übertragung bezeichnet das Phänomen, dass der Patient passager dem Therapeuten gegenüber Gefühlsregungen zeigt, die er ursprünglich in früheren Beziehungen, z.B. gegenüber Vater oder Mutter, hatte. In der Gegenübertragung könnte der Therapeut vorübergehend dem Patienten gegenüber väterliche Gefühle entwickeln. Die Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung – der Therapeut muss die Phänomene aufmerksam beobachten – ist ein wichtiger Pfeiler der therapeutischen Vorgehensweise.

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie sind solche Phänomene eher milder ausgeprägt. Das Setting der Psychoanalyse hingegen fördert zum Beispiel durch die Behandlung im Liegen eher deutlich die Regressionsbereitschaft (Regression ist der passagere Rückzug auf eine frühere Stufe der Persönlichkeitsentwicklung in der Therapie) und die Entwicklung eines ausgeprägten Übertragungsgeschehens. In einer solchen Situation ist die häufige Sitzungsfrequenz, die die Psychoanalyse ermöglicht, unabdingbar.

Übrigens gibt es diese Phänomene auch im Alltag: wenn Sie vor Ihrem Chef immer „einknicken“, könnten Sie zum Beispiel unbewusst frühere emotionale Erlebnisse mit einem sehr strengen Lehrer auf ihn „übertragen“. Wenn Sie immer wieder trotz Ermahnung zu spät zur Arbeit erscheinen, kann dies Ausdruck eines unbewussten Widerstands sein, weil Sie aus irgendeinem Grund mit dem Arbeitsplatz unzufrieden sind.

Im Gespräch versucht der Therapeut unter Nutzung dieser und anderer therapeutischer Phänomene unter anderem herauszuarbeiten, welche Konfliktsituation das Symptom auslöst und welche Belastungen es im Umfeld des Patienten gibt (z.B. Familie, Beruf, Partnerschaft).

Eine wichtige Rolle spielen, wie schon erwähnt, bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (früh)kindliche Erfahrungen, die bekanntermaßen langfristig auf psychischer und körperlicher Ebene wirksam bleiben können. Selbstverständlich können auch Erlebnisse, die in einem späteren Lebensalter gemacht wurden, eine entscheidende Rolle spielen.

Die Behandlung selbst können Sie sich im Prinzip als Gespräch zwischen Therapeut und Patient vorstellen (sog. dialogisches Behandlungsverfahren). Anders als bei der Psychoanalyse (s.u.) sitzt der Patient dem Therapeuten in der Regel gegenüber, während er mit ihm spricht.
Die genaue Vorgehensweise kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Sie hängt von der Ausbildung und Persönlichkeit des Therapeuten und natürlich vom Patienten ab. Nicht jede Vorgehensweise ist für jeden Patienten gleich gut geeignet.

Ein großer Vorteil der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist ihre große Flexibilität.

  • Je nach Bedarf kann sie als Kurz- oder Langzeittherapie gestaltet werden.
  • Die zeitlichen Abstände können individuell an den aktuellen Bedarf angepasst werden. In einer akuten Phase kann sie also einmal pro Woche angeboten werden, während in anderen Phasen vielleicht ein Termin alle 14 Tage reicht. Auch behandlungsfreie Intervalle sind möglich. Ziel ist dabei eine möglichst effektive Therapie.
  • Grundsätzlich sind sowohl Einzel- als auch Gruppensitzungen möglich.
  • Die Therapie eignet sich für verschiedenste Altersgruppen (Jugendliche, Erwachsene, auch ältere Menschen)

Eine medikamentöse Behandlung gehört nicht per se zum Konzept der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, kann aber in Fällen einer ausgeprägten depressiven oder Angstsymptomatik nach sorgfältiger Abwägung als Ergänzung durchaus sinnvoll, manchmal sogar notwendig, sein.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist keine Psychoanalyse

Weit bekannter als die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist vielen Menschen die Psychoanalyse nach Sigmund Freund. Der bärtige bebrillte Therapeut, der hinter dem auf der Couch liegenden Patienten sitzt, ist in vielen Karikaturen, in denen es um Nervenärzte geht, verbreitet. „Auf-die-Couch-Müssen“ ist für viele Menschen ein Synonym für „eine Psychotherapie notwendig haben“.

Auch wenn sowohl Psychoanalyse als auch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie auf Grundlage der psychoanalytischen Krankheitslehre arbeiten, gibt es doch einige wesentliche Unterschiede.

  • Anders als bei der Psychoanalyse (in den Psychotherapierichtlinien „analytische Psychotherapie“ genannt) verfolgt die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ein klar begrenztes Behandlungsziel. Biografische Ereignisse, Konflikte und Traumata werden nur bearbeitet, wenn sie in einem wesentlichen Zusammenhang mit der zu behandelnden Symptomatik stehen.
  • Die Psychoanalyse hat festere Regeln (findet z.B. mehrfach pro Woche statt, Urlaube müssen mit dem Analytiker abgesprochen werden).
  • Die Psychoanalyse ist immer langfristig ausgelegt.
  • Bei der Psychoanalyse liegt der Patient häufig auf der Couch, während sich Therapeut und Patient bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie in der Regel gegenüber sitzen
  • Die freie Assoziation (d. h., der Patient soll seinen Einfällen freien Lauf lassen und diese ohne sie zu zensieren mitteilen), ist neben der Traumdeutung und der Analyse der Fehlleistungen („Versprecher“) die wichtigste Technik der Psychoanalyse.
  • Sogenannte „Übertragungsneurosen“, die eine vorübergehende Abhängigkeit vom Therapeuten bedingen können, werden bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie vermieden. Dadurch bleibt der Patient während der Behandlung in der Regel in der Lage, seinen Alltagsaufgaben nachzugehen.

Auf einen Blick: Vorteile der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Die wichtigsten Gründe, warum wir in unserer Praxis gern mit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (TP) arbeiten sind:

  • sehr breites Anwendungsgebiet
  • große Flexibilität (Dauer, Häufigkeit)
  • Behandlung der Ursachen
  • eher ressourcenortientiertes Arbeiten (Nutzen der vorhandenen Fähigkeiten des Patienten)
  • Symptome werden (im Rahmen der ursächlichen Therapie) mit möglichst wenig Aufwand behoben

Dauer und Kosten einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

In den 1960er-Jahren haben engagierte Psychoanalytiker erstmals erreicht, dass Psychotherapie von Krankenkassen bezahlt wurde. Die daraufhin erforderlich gewordene Entwicklung der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie hat erst möglich gemacht, dass Psychotherapie – anders als die Psychoanalyse – flächendeckend angeboten werden kann.

Die Dauer einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie kann sehr unterschiedlich sein. Bei einer guten Prognose und begrenzter Symptomatik kann unter bestimmten Voraussetzungen schon eine Kurztherapie (bis zu 25 Sitzungen) zum Erfolg führen. Dies gelingt jedoch nur bei vergleichsweise „stabilen“ Patienten mit sogenannter „guter Ich-Stärke“, guter Ausdrucksfähigkeit und hoher Motivation.

Laut Psychotherapierichtlinien können im ersten Bewilligungsschritt 25 oder 50 Sitzungen, im nächsten Schritt 30 Sitzungen, erforderlichenfalls auch noch mal 20 gewährt werden. Maximal sind 100 Sitzungen möglich. Bei über 25 Sitzungen ist immer ein Gutachterverfahren erforderlich.

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