Elias‑Müdigkeit und Burnout, Ein Blick in eine alte Geschichte
Ältestes bekanntes Beispiel für einen Burnout‑ähnlichen Zustand in der Literatur ist der Prophet Elias im Alten Testament (1. Könige 19).

In der Bildkunst findet sich Elias unter anderem bei Dierick Bouts (1410/20–1475), etwa in der Darstellung „Elias in der Wüste“.
Von Elias’ möglicher Gemütsverfassung können sich diejenigen ein gutes Bild machen, die Felix Mendelssohn‑Bartholdys Oratorium „Elias“ kennen. Die Bass‑Arie „Es ist genug!“ kennzeichnet den Moment, an dem Elias am seelischen Tiefpunkt angekommen ist:
„Es ist genug. So nimm nun, Herr, meine Seele. Ich bin nicht besser, denn meine Väter. … Ich begehre nicht mehr zu leben, denn meine Tage sind vergeblich gewesen.“
Wer die seelische Tiefe dieser Szene musikalisch erleben möchte, findet hier eine Einspielung der Arie „Es ist genug!“ aus Mendelssohns Oratorium „Elias“.
Als „Elias‑Müdigkeit“ wurde das Burnout‑Syndrom früherer Pfarrer‑Generationen bezeichnet.
Der evangelische Pfarrer und Diplom‑Psychologe Traugott Ulrich Schall leitet (1993) aus der Elias‑Erzählung direkt Ursachen und Therapie des Burnout‑Syndroms ab.
Ursachen nach Schall:
- Starkes persönliches und berufliches Engagement
- Die Erfahrung begrenzter Kompetenz und von Misserfolg
- Soziale Isolierung, fragwürdige Arbeitsbedingungen
- Das Fehlen spiritueller Anbindung; die irrige Überzeugung, alles sei durch den Menschen „machbar"
„Therapie“ in der Elias‑Geschichte:
- Elias darf ausruhen – Ausruhen von der Arbeit
- Elias erfährt Hilfe und Betreuung – Fürsorge durch andere
- Elias wird in zeitweilige Distanz zur Arbeit geführt
- Elias erfährt eine Korrektur seines Gottesbildes – Neuausrichtung auf das Wesentliche
Das Besondere an dieser alttestamentlichen Geschichte: Sie ist vor fast 3.000 Jahren geschrieben – und sie beschreibt den Burnout‑Zustand und seine Behandlung mit einer Treffsicherheit, die auch heute noch gültig erscheint.

