Medizinische Hintergründe von Erschöpfung und Burnout, Ein ergänzender Beitrag von Dr. med. Frank Jaschke
Anhaltende Erschöpfung wird im Alltag schnell unter dem Begriff „Burnout“ zusammengefasst. Das ist verständlich, greift aber oft zu kurz. Erschöpfungszustände können aus langjähriger Überforderung, depressiven Entwicklungen, Schlafstörungen, körperlichen Erkrankungen oder mehreren Faktoren gleichzeitig entstehen.
Dazu gehören auch Krankheitsbilder wie das Chronische Fatigue‑Syndrom / ME‑CFS, die mit einer ausgeprägten Belastungsintoleranz und oft sehr komplexen körperlichen Beschwerden einhergehen.
In meiner früheren internistischen Tätigkeit habe ich auch Menschen mit Verdacht auf ME‑CFS begleitet und entsprechende medizinische Abklärungen veranlasst. In meiner heutigen Praxis als Psychosomatiker und Psychotherapeut kann ich diese Form der spezialisierten körperlichen Diagnostik und Behandlung leider nicht mehr anbieten.
Umso wichtiger ist es, zwischen Burnout, depressiven Entwicklungen, körperlichen Erkrankungen und Krankheitsbildern wie ME‑CFS sorgfältig zu unterscheiden – und gemeinsam zu klären, welcher weitere Weg für Sie sinnvoll ist.
Nicht nur die Psyche
Langanhaltende Belastung hinterlässt selten Spuren nur im Denken oder Fühlen. Viele Betroffene berichten über bleierne Müdigkeit, das Gefühl, trotz Schlaf nicht mehr zu regenerieren, innere Unruhe, Herzklopfen, Schwindel, Magen‑Darm‑Beschwerden oder verminderte Konzentrationsfähigkeit.
Schon die klassische Stressforschung, etwa das Drei‑Phasen‑Modell von Hans Selye, beschreibt, dass der Organismus auf Dauerbelastung mit einer Alarmreaktion, einer Phase anhaltenden Widerstands und schließlich mit Erschöpfung reagiert. Moderne Burnout‑Modelle unterscheiden den Verlauf in mehrere Stufen – von anfangs gesteigertem Engagement und Vernachlässigung eigener Bedürfnisse über Konfliktverdrängung und Rückzug bis hin zu innerer Leere und ausgeprägter Erschöpfung. Wichtig ist dabei weniger die exakte Zahl der Phasen als das Verständnis, dass sich Burnout meist als schleichender Prozess über Monate oder Jahre entwickelt.
Der Kern bleibt: Chronische Belastung betrifft den ganzen Menschen – nicht nur die Psyche.
Internistischer Basischeck – einschließlich Ferritin
Wer mit ausgeprägter Erschöpfung kommt, hat häufig schon viel versucht – von Erholung über Lebensstiländerungen bis hin zu ersten psychologischen Gesprächen. Manchmal übersehen wir dabei naheliegende körperliche Mitursachen.
Ein internistischer Basischeck kann deshalb sinnvoll sein, insbesondere wenn:
- die Erschöpfung stark ausgeprägt ist und über längere Zeit anhält,
- der Alltag deutlich eingeschränkt ist („Ich kann einfach nicht mehr“),
- körperliche Symptome wie Schwindel, Herzklopfen, Magen‑Darm‑Beschwerden oder Schlafstörungen hinzukommen.
Dabei geht es nicht darum, jedes Erschöpfungserleben organmedizinisch zu deuten, sondern darum, offensichtliche körperliche Mitursachen nicht zu übersehen.
Typische Fragestellungen sind:
- Liegt ein Eisenmangel vor (Serum‑Ferritin)?
- Gibt es Hinweise auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung?
- Spielen Vitaminmängel oder andere Stoffwechselstörungen eine Rolle?
- Sind entzündliche Prozesse oder andere internistische Erkrankungen zu bedenken?
Gerade die Bestimmung des Serum‑Ferritins hat in meiner früheren internistischen Tätigkeit oft geholfen, unerklärte Müdigkeit oder Belastungsschwäche besser zu verstehen. Ein versteckter Eisenmangel erklärt nicht jede Erschöpfung, kann aber Beschwerden verstärken, die vorschnell allein als Burnout gedeutet würden. Bei einem manifesten Eisenmangel gehört eine ausgeprägte Erschöpfung in den meisten Fällen dazu.
Körper und Psyche – zwei Seiten einer Medaille
In meiner heutigen psychosomatischen und psychotherapeutischen Praxis biete ich keine eigene internistische Diagnostik mehr an. Ich nutze meine internistische Erfahrung, um gemeinsam mit Ihnen einzuschätzen, welche körperlichen Faktoren bedacht werden sollten und welche Untersuchungen beim Hausarzt oder Facharzt sinnvoll sind.
Die internistische Erfahrung bleibt dennoch wichtig:
- bei der Einschätzung, ob körperliche Faktoren bei der Erschöpfung bedacht werden müssen,
- bei der Empfehlung, welche Abklärungen beim Hausarzt oder Facharzt sinnvoll sind,
- bei der gemeinsamen Einordnung medizinischer Befunde in die psychosomatische Gesamtsicht.
Wenn ein Basischeck erforderlich erscheint, sollte er in der Regel über den Hausarzt oder die jeweils zuständigen Fachärzte erfolgen. Die Ergebnisse können anschließend in die weitere Behandlung einfließen.
Meine Kapazitäten in der psychosomatisch‑psychotherapeutischen Praxis sind begrenzt. Umso wichtiger ist mir, dass diese Website Ihnen hilft, ein realistisches Bild zu gewinnen: Nicht jede Erschöpfung braucht eine Behandlung in meiner Praxis; manchmal ist der richtige Weg eine gute internistische Abklärung und andere Formen der Unterstützung.

