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Impfungen - Pro und Kontra

Impfungen

Am Thema Impfungen und Impfen scheiden sich die Geister – viele wollen einen möglichst umfangreichen Impfschutz, die Impfgegner wollen gar keine Impfungen. Vielleicht findet man zwischen diesen beiden Polen – wie so oft im Leben – die Wahrheit, oder zumindest Regeln für einen praktikablen Umgang mit Impfungen.

Keinesfalls möchten wir hier schreiben, was „richtig“ ist. Denn die Entscheidung für oder gegen eine Impfung ist immer auch von vielen individuellen Faktoren abhängig.

Die Entscheidung, Kinder oder Erwachsene überhaupt nicht zu impfen, kann unter Umständen gefährlich werden. Natürlich kann man sich auf die „Natur“ verlassen – aber eben zu ihren Bedingungen. Und eine davon heißt zum Beispiel „survival of the fittest“, also Überleben der bestangepassten Individuen im Sinne der Darwin’schen Evolutionstheorie.

Ist also der falsche Krankheitserreger zum falschen Zeitpunkt zur Stelle, kann das bedeuten, dass bleibende Gesundheitsschäden – zum Beispiel bei der Kinderlähmung (Poliomyelitis) – auftreten oder ein Kind oder Erwachsener stirbt.

Auf der anderen Seite muss man sicherlich nicht gegen alle Krankheiten impfen, für die ein Impfschutz möglich ist. Und sehr fit muss ein Kind auch sein, wenn man es mit einem Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hepatitis B, Poliomyelitis und Erkrankungen durch Haemophilus influenzae Typ b gleichzeitig impft. Für das Immunsystem mancher Kinder ist das schlicht eine Überforderung. Hier wird klar, dass es sich auch beim Impfen um individuelle Entscheidungen handelt, die im persönlichen Arzt-Patient-Gespräch erörtert werden sollten.

Aktive Immunisierung – die klassische Schutzimpfung

Die aktive Immunisierung ist die „Schutzimpfung“ gegen Krankheiten, wie sie die meisten Menschen kennen. Es kommen Lebendimpfstoffe oder Totimpfstoffe zum Einsatz.

Lebendimpfstoffe
enthalten abgeschwächte Erreger, die wohl vermehrungsfähig, aber nicht krankmachend sind.

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder nur Bruchstücke des Krankheitserregers, nämlich genau die, die der Körper benötigt, um eine Bildung von Antikörpern gegen diese Erreger auszulösen. Diese Bruchstücke nennt man auch Antigene.

Auch Toxoidimpfstoffe zählen zu den Totimpfstoffen, Sie enthalten den biologisch inaktiven Teil eines Erregertoxins (= vom Bakterium produzierter Giftstoff). Das Bakterientoxin verursacht die Erkrankung (Beispiele: Wundstarrkrampf, Diphtherie).

Durch die Lebend- oder Totimpfstoffe wird der Organismus angeregt, Antikörper zu bilden, die dann häufig über viele Jahre einen Schutz vor der jeweiligen Krankheit bieten, indem bei Kontakt mit den „richtigen“ Krankheitserregern das Immunsystem blitzschnell eingreifen und den Erreger vernichten, bzw. sein Toxin inaktivieren kann.

Passive Immunisierung – wenn die Impfung fehlt

Die passive Immunisierung geht auf Emil von Behring zurück. Er führte sie 1890 in die Medizin ein.

Heute wird die passive Immunisierung dann angewandt, wenn aufgrund der Umstände keine Zeit bleibt, auf den Eintritt der Schutzwirkung einer aktiven Immunisierung, also einer Schutzimpfung, zu warten.

Es werden dem Körper dann Antikörper gespritzt, die aus – in der Regel menschlichem Blut – gewonnen werden. Früher wurden vielfach Antikörper eingesetzt, die aus tierischen Organismen gewonnen waren.

In der praktischen Anwendung wird die passive Immunisierung besonders häufig nach Verletzungen eingesetzt, wenn kein ausreichender Impfschutz gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) besteht. Dann erfolgt eine „Simultanimpfung“ mit dem Passivimpfstoff (vom Menschen stammende Antikörper gegen Tetanustoxin) und dem Aktivimpfstoff (Tetanustoxoid).

Die zugeführten Fremdantikörper werden vom Körper allmählich wieder abgebaut, so dass dann aktive Immunisierung für einen langanhaltenden Impfschutz sorgen muss. Weil sie allein keine anhaltende Schutzwirkung erzeugt, sollte die passive Immunisierung nicht als „Impfung“ bezeichnet werden.

Schutz vor Krankheit ohne Impfen: durch die Erkrankung oder durch stille Feiung

Schutz gegen Krankheiten besteht oft auch, wenn ein Mensch eine Krankheit hatte. So besteht nach einer durchgemachten infektiösen Gelbsucht (Hepatitis A) in der Regel ein lebenslanger Schutz gegen die Hepatitis A, eine Impfung wäre überflüssig.

Der Schutz kann auch durch „stille Feiung“ eintreten. Eine Antikörperproduktion kann im Körper auch ausgelöst werden, wenn der Körper mit einem Krankheitserreger infiziert ist, ohne dass sich erkennbare Symptome ausbilden, die Infektion also gar nicht bemerkt wird.

Öffentlich empfohlene Schutzimpfungen

Die öffentlichen Empfehlungen für Schutzimpfungen werden von den obersten Gesundheitsbehörden der Bundesländer ausgesprochen, meist auf der Grundlage der jeweiligen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Durch die öffentliche Empfehlung von Schutzimpfungen ist der impfende Arzt hinsichtlich der Impfung rechtlich abgesichert. Im seltenen Fall des Auftretens eines Gesundheitsschadens als Folge einer Impfung ist die öffentliche Hand für die Regulierung des Impfschadens zuständig, wenn bestimmte Voraussetzungen zutreffen. Die Meldung eines vermuteten oder tatsächlichen Impfschadens muss an das zuständige Versorgungsamt erfolgen.

Aktuelle Impfempfehlungen der „Ständigen Impfkommission“ (STIKO) 2015

Auffrisch-Impfung gegen Keuchhusten auch im Erwachsenenalter

Die STIKO hat in ihren Impfempfehlungen aus dem Jahr 2015 die Auffrisch-Impfung gegen Keuchhusten für Erwachsene empfohlen.

Erwachsene stellen das Erreger-Reservoir für die Erkrankung dar, die für Kleinkinder und alte Menschen gefährlich werden kann. Zudem können Erwachsene selbst erkranken.

Während bei vielen kleinen Kindern ausreichender Impfschutz besteht, wurde bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein Anstieg der Keuchhusten-Erkrankungen beobachtet.

Keine generelle Auffrischung-Impfung gegen Pneumokokken bei Senioren

Die Schutzimpfung gegen Pneumokokken, ein Erreger der Lungenentzündung, wird weiterhin als Standardimpfung für alle Personen über sechzig Jahre empfohlen. Die Auffrisch-Impfung erfolgt jedoch nur noch bei besonderen Risiken, wie Immunkrankheiten oder Nierenerkrankungen.

Zusammenfassung der aktuellen Impfempfehlungen


Durch die „Ständige Impfkommission (STIKO)“ öffentlich empfohlene Impfungen, die in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, sind (Stand Dezember 2015): 


  • Tetanus = Wundstarrkrampf (jeder)
  • 
Diphtherie (jeder)
  • Pertussis = Keuchhusten (jeder)
  • Polio = Kinderlähmung (Säuglinge, Jugendliche) 

  • Hepatitis B = Leberentzündung (Säuglinge, Jugendliche)
  • 
FSME = Frühsommer-Menigoenzephalitis (in Risikogebieten)

  • Hämophilis Influenzae B = Hib (jeder Säugling)
  • Masern (Kleinkinder, nach 1970 geborene Erwachsene)

  • Mumps (Kleinkinder, nach 1970 geborene Erwachsene bestimmter Berufsgruppen)
  • 
Röteln (Kleinkinder, Frauen mit Kinderwunsch ohne Immunität)

  • Meningokokken (Kleinkinder und Kontaktpersonen zu Erkrankten)
  • 
Windpocken (Kleinkinder, Jugendliche, Personen mit Kontakt zu Erkrankten ohne eigene Immunität, Risikogruppen wie z.B. Frauen mit Kinderwunsch ohne Immunität)
  • 
„Grippe“ = Influenza (ab 60 Jahre und Risikogruppen)
  • 
Pneumokokken (Säuglinge, ab 60 Jahre und Risikogruppen)
  • 
HPV (Humane Papillomaviren) (weibliche Jugendliche)

Welche Impfungen individuell zu welchem Zeitpunkt sinnvoll sind, sollte – wie weiter oben erwähnt – im persönlichen Gespräch geklärt werden. Impfungen können auch im Rahmen der reisemedizinischen Beratung notwendig werden.

Vielleicht möchten Sie die Überprüfung Ihres Impfstatus mit einem gründlichen medizinischen Check-up verbinden? Hier lesen Sie mehr über unsere Präventionsangebote.

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