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Zika-Virus-Erkrankung

Seit dem Frühjahr 2015 breitet sich das Zika-Virus, welches zuvor hauptsächlich in Afrika und Asien vorkam, rasant in Süd- und Mittelamerika aus.

Insgesamt 39 Staaten des amerikanischen Kontinents und der Karibik sind mittlerweile betroffen (Stand: 17.06.2016). Am 1. Februar 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im Zusammenhang mit Zika-Virus-Infektionen eine „Public Health Emergency of International Concern“ (PHEIC) ausgerufen. Auslöser war eine Häufung von Mikrozephalie-Fällen, eine Schädelfehlbildung, bei Neugeborenen sowie das vermehrte Auftreten neurologischer Erkrankungen wie des Guillain-Barré-Syndroms in Ländern, in denen zuvor oder zeitgleich Zika-Ausbrüche auftraten. Ein Zusammenhang dieser Ereignisse wird als wahrscheinlich angesehen.

Bis auf weiteres sollten Schwangere sowie Frauen mit Kinderwunsch, also bei möglicherweise bestehender Schwangerschaft, von Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete absehen. Das am stärksten betroffene Land ist Brasilien.

Seit dem 1. Mai 2016 besteht in Deutschland eine Meldepflicht für Zikavirus-Infektionen.

Geschichte und Verbreitung der Zika-Virus-Erkrankung

Erstmals wurde das Zika-Virus 1947 im gleichnamigen Wald in Uganda bei einem Affen isoliert. In der Folge traten sporadisch menschliche Erkrankungen in mehreren Ländern Afrikas und Südostasiens auf. Im Jahr 2007 gab es einen Ausbruch auf der mikronesischen Yap-Insel, 2013 in Französisch Polynesien. Im Jahr 2014 wurden autochthone Erkrankungen aus Neukaledonien berichtet, im selben Jahr gab es auch Fälle auf den Cook-Inseln und auf der Osterinsel.

Die ersten Fälle auf amerikanischem Festland wurden Ende April 2015 aus Brasilien gemeldet, seither verbreitet sich das Virus rapide auf dem südamerikanischen Kontinent und in der Karibik. Auch auf den Südseeinseln Amerikanisch Samoa, Samoa und Tonga gab es in den letzten Monaten lokale Übertragungen. Anfang April wurden 2 autochthone Fälle aus Vietnam gemeldet. Einen Überblick über die aktuelle Situation bieten die Karten der ECDC und der PAHO. Eine Timeline zur Ausbreitung des Zika-Virus seit 1947 findet sich auf den Seiten der WHO.

Im Juli 2016 wurden in den USA die ersten Fälle von lokal erworbenen Zika-Virus-Infektionen aus Florida (Counties Miami-Dade und Borgward) gemeldet. Bis November 2016 ist die Zahl der bestätigten lokalen Infektionen in Florida auf 238 angestiegen, landesweit wurden 4.261 importierte Fälle gemeldet. Ende November 2016 wurde eine Zika-Virus-Infektion in Texas bestätigt.

Ende August 2016 wurden mehr als 240 lokal erworbene Zika-Virus-lnfektionen in Singapur bestätigt. Mitte Mai wurde die erste importierte Infektion gemeldet.

In Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik, die im ersten Halbjahr 2016 sehr stark betroffen waren, zeigt sich nach den Zahlen der PAHO  seit Sommer 2016 ein deutlicher Rückgang der Erkrankungszahlen.

Dabei muss man aber berücksichtigen, dass einzelne Länder durchaus noch ansteigende Fallzahlen haben können, so etwa aktuell Panama, Peru, Paraguay, Bolivien oder die Karibikinseln Aruba und Curacao. Florida meldet einzelne Fälle.

Die WHO verweist in ihrem Bericht vom 10.03.2017 darauf, dass die Wachsamkeit hoch bleiben muss, da sich das Virus auch weiterhin in bislang unbetroffene Gebiete ausbreitet. Dennoch wurde der regelmäßige Situationsbericht eingestellt.

Übertragungswege

Das Zika-Virus wird durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragen, welche auch Vektoren (Überträger) für das Gelbfieber-Virus und das Dengue-Virus sind. Mittlerweile gibt es Hinweise auf weitere Übertragungswege, etwa durch Geschlechtsverkehr, was jedoch noch einer weitergehenden Untersuchung bedarf. Insgesamt wurden bislang aus 10 Ländern Verdachtsfälle einer sexuellen Übertragung gemeldet (Stand: 17.06.2016). Auch durch eine Bluttransfusion könnte das Virus übertragen werden, ebenso perinatal von einer Mutter auf ihr Kind. Zudem wurde der Erreger in Urin und Speichel nachgewiesen, die Bedeutung hinsichtlich der Weiterverbreitung muss noch geklärt werden. 

Verlauf der Zika-Virus-Erkrankung

Etwa 80 % aller Infektionen verlaufen asymptomatisch, in den übrigen Fällen kommt es fast ausschließlich zu milden Verläufen. Neben erhöhter Temperatur, Kopf- und Gliederschmerzen treten ein Hautausschlag sowie eine nichteitrige Konjunktivitis auf. Die Symptome klingen nach etwa einer Woche von alleine wieder ab. Schwere Verlaufsformen bis hin zum Tod sind bislang nur vereinzelt bei Personen mit bereits vorbestehenden Grunderkrankungen beobachtet worden.

In Brasilien und Französisch Polynesien waren in zeitlicher Nähe zu den dortigen Zika-Ausbrüchen vermehrt Kinder mit einem zu geringen Kopfumfang (sog. Mikrozephalie) zur Welt gekommen. In der Folge konnte bei einigen Frauen, die ein Kind mit zerebraler Schädigung erwarten, oder im Gewebe von nach der Geburt verstorbenen betroffenen Babys das Virus nachgewiesen werden. Ein Zusammenhang wird als wahrscheinlich angesehen. Bislang meldeten insgesamt 12 Länder Fälle von Mikrozephalie oder anderen Fehlbildungen des zentralen Nervensystems, die auf eine Zika-Infektion der Mutter während der Schwangerschaft zurückgeführt werden (Stand: 15.06.2016). Eine Mikrozephalie ist oftmals verbunden mit geistiger Behinderung oder neurologischen Schädigungen.

Zudem wurde in bislang 13 Ländern, darunter wiederum Brasilien und Französisch Polynesien, ein Anstieg der Erkrankungszahlen am Guillain-Barré-Syndrom registriert (Stand: 15.06.2016). In einigen Fällen konnte bei den Patienten eine vorangegangene Zika-Virus-Infektion bestätigt werden oder sie hatten zumindest in der jüngeren Vergangenheit typische Symptome einer Zika-Infektion gezeigt. Auch hier wird ein Zusammenhang als wahrscheinlich angesehen.

Bei dem Guillain-Barré-Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung der Nervenbahnen, vorwiegend derjenigen, die zum Bein ziehen. Es äußert sich durch eine Muskelschwäche, die letztlich zur vollständigen Lähmung der Beine, Arme sowie auch zu Atemlähmung führen kann. Mitunter treten Sensibilitätsstörungen auf, etwa beim Empfinden von Berührung, Schmerz oder Temperatur. Auch die Hirnnerven oder das autonome Nervensystem können betroffen sein. Durch eine entsprechende Therapie können die Symptome i.d.R. größtenteils, manchmal auch vollständig, zurückgebildet werden. In den meisten Fällen ist eine zuvor durchgemachte Infektionskrankheit Auslöser des Guillain-Barré-Syndroms. 

Diganostik und Therapie

Bei Patienten, bei denen verdächtige Beschwerden auftreten, erfolgt die Labordiagnostik aus einer Blutprobe und zusätzlich aus Urin.

Für beschwerdefreie Reiserückkehrer ist eine Diagnostik im Allgemeinen nicht angezeigt, eine Ausnahme stellen Schwangere sowie Männer mit einer schwangeren Partnerin dar.

Eine spezifische Therapie für eine Zika-Virus-Erkrankung existiert nicht. Zur symptomatischen Behandlung werden fiebersenkende und schmerzstillende Mittel verabreicht, zudem sollte der Patient viel Flüssigkeit zu sich nehmen.

Vorbeugung

Bislang existiert kein Impfstoff gegen eine Zika-Virus-Infektion.

Wichtigste persönliche Schutzmaßnahme ist das Vermeiden von Mückenstichen, etwa durch das Tragen körperbedeckender Kleidung und das Auftragen von Insektenabwehrmittel auf unbedeckte Hautstellen. Die Kleidung sollte dicht gewebt sein und kann zusätzlich zur Verstärkung des Schutzes mit einem Insektizid wie Permethrin imprägniert werden.

Die übertragenden Moskitos sind vorwiegend tagaktiv, wenn möglich sollte man sich daher tagsüber weitestgehend in klimatisierten Räumen mit Mückengitter vor den Fenstern aufhalten.

Schwangere sowie Frauen mit Kinderwunsch sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt von nicht zwingend notwendigen Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete absehen.

Aufgrund der aktuell noch nicht geklärten Bedeutung einer sexuellen Übertragung wird Menschen in bzw. Rückkehrern aus Ausbruchsgebieten geraten Kondome zu benutzen bzw. ganz auf Sex zu verzichten, insbesondere bei Vorliegen einer Schwangerschaft. Dies gilt über einen Zeitraum von mindestens 8 Wochen nach der Rückkehr bzw. die verbleibende Zeit bis zur Geburt des Kindes. Treten beim Partner Symptome einer Zika-Virus-Infektion auf, so sollten für mindestens 6 Monate Kondome benutzt oder komplett auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Hier finden Sie die entsprechenden Empfehlungen der WHO

Quelle: CRM - Centrum für Reisemedizin

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