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Fit und gesund durch Wandern


Stress, Hektik, zu viele Reize von außen – all das kann uns krank machen. Dagegen können wir eine wirksame Waffe setzten: das Wandern.

Eine der ältesten Natursportarten erlebt einen neuen Aufschwung, wie es Dr. Rainer Brämer, Gründer und Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts in Marburg, beschreibt.

Regelmäßigen Erhebungen zufolge zählen mittlerweile über die Hälfte der Deutschen zu Wanderliebhabern. Es sind nicht mehr nur die Senioren in Filzhüten, die uns wandernd in freier Natur begegnen, sondern zunehmend auch Jugendliche. Ab einem gewissen Alter wollen – wie schon zu Zeiten der Wandervogel-Bewegung – Jugendliche dabei allerdings unter sich sein.

Bei einer Befragung von 1300 Studierenden an elf deutschen Hochschulen ließ sich das Eintrittsalter in die neue Wanderbewegung recht genau eingrenzen: Während das Wandern im Vergleich zu anderen Natursportarten zu Studienbeginn mit 45 Prozent nur auf mittlere Sympathiequoten kommt, nimmt es am Studienende mit 75 Prozent gleich hinter dem Radfahren Rang zwei ein.

Fragt man nach den Motiven für die neue Begeisterung, spielt der Wunsch, die Natur zu genießen eine wichtige Rolle. Mit Abstand folgt der Wunsch, Entdeckungen zu machen und Muße zu haben.

Wandern erfordert keine komplizierten Geräte und kein aufwändiges Training. Die Sportart Wandern birgt keine besonderen Risiken. Auch einseitige körperliche Überforderung droht nicht. Hingegen "drohen" positive Effekte für die Gesundheit: Auf einem nach der Jahrtausendwende erstmals veranstalteten Symposium "Wandern und Gesundheit" trugen Kardiologen, Orthopäden, Immunologen und Psychologen eine Fülle positiver Effekt zusammen.


Wandern stärkt Herz, Kreislauf, Stoffwechsel, Atmung, Muskeln und den übrigen Bewegungsapparat. Eine besondere Rolle scheint das Wandern bei der Normalisierung des Stoffwechsels und der Stärkung des Immunsystems zu spielen. Beide Systeme profitieren von der regelmäßigen Ausübung eines gering intensiven Ausdauersports, während leistungssportliche Exzesse dieses Ziel eher gefährden. Untermauert werden diese Erkenntnisse durch neuere epidemiologische Befunde.

In zahlreichen Langzeituntersuchungen zu den Ursachen von Gesundheit und Langlebigkeit hat sich gezeigt, dass der vom Körper regelmäßig verausgabten Bewegungsenergie eine entscheidende Bedeutung zukommt. Wandern fordert wegen des damit verbundenen hohen Muskeleinsatzes dem Körper relativ viel Energie ab: pro Kilometer mindestens 50, auf bergigen Pfaden sogar 70 bis 80 Kilokalorien – das ist mehr als bei einem Dauerlauf.  Wandern ist eine sanfte Methode mit hohem Trainings-Effekt, denn die aufgebrachte Herz-Kreislauf-Leistung zwischen 50 und 150 Watt wird über mehrere Stunden erbracht. Sportmediziner halten Wandern inzwischen für den Gesundheitssport Nummer eins.

Anders als der verbissene Gesichtsausdruck mancher Fitnessfanatiker, die ihr Pflichtprogramm absolvieren, ist der Gesichtsausdruck vieler Wanderer: sie wirken meist locker, freundlich und entspannt. Lange Wege in guter Stimmung! Wie geht das?

Offensichtlich ist es die Natur entlang des Weges, die bei ruhigem Gang ihre ganz eigene Wirkung entfaltet. Die Harmonie natürlicher Landschaften schmeichelt dem Auge wie der Seele.

Der Blick auf sanfte Bergsilhouetten oder waldumsäumte Wiesentäler hat einen ungeahnt befreienden Effekt. Es ließ sich nachweisen, dass der Spaziergang durch eine grüne Parklandschaft in hohem Maße stressentlastend wirkt.

Die grauen, geradlinig-kantigen und oftmals auch hässlichen Kunstwelten unseres Alltags erschöpfen dagegen, genauso wie Computer und Fernsehen, auf Dauer unsere psychische Aufnahmefähigkeit.

Hinzu kommt die "Stille" der Natur – die Unaufdringlichkeit der natürlichen Lautkulisse: Rascheln, Rauschen, Wispern, Gurgeln, Zwitschern. Die innere Ruhe kehrt ein. Naturwahrnehmung und sanfte, rhythmische Bewegung haben einen fast meditativen Effekt.

Ein Vergleich von Ausdauerläufern, die jeweils zur Hälfte eine bestimmte Zeit auf dem Laufband und in der freien Natur zu absolvieren hatten, zeigte: Die Outdoorläufer kamen psychisch erfrischt und mit deutlich geringerer Stresshormonkonzentration im Körper zurück, während die Stimmungshormonbilanz der Bandläufer ins Negative gekippt war. Eine dritte Hallenläufer-Gruppe bekam Vogelgezwitscher eingespielt: die Ergebnisse lagen genau in der Mitte zwischen den beiden anderen Gruppen.

Wandern bringt die Psyche ins Lot und macht auch kreativ. Laut einer Untersuchung hatten Arbeitnehmer die meisten kreativen Einfälle nicht etwa auf Mitarbeiterforen, sondern in der freien Natur. Große Literaten und Philosophen schworen auf die Inspiration des Gehens und Wanderns. Wandern hält auch im Alter körperlich, seelisch und geistig mobil.

Wandern hat eine soziale Funktion: die meisten Menschen wandern in Gesellschaft, mit Partner, Familie oder im kleinen Freundeskreis. Kaum eine andere Situation bietet Gelegenheit zum beiläufigen Gespräch, frei von Zwängen, in einer positiven Grundstimmung. Die gemeinsame Bewegung schafft Offenheit, die Barrieren verringert und auch tiefe Gespräche ermöglicht.

Wandern bedient auf elementare Weise das Erleben fundamentaler Bedürfnisse unseres Lebens: Weggehen und Ankommen, Entdecken und Genießen, Neugier und Geborgenheit.

Im virtuellen Zeitalter geht dem Menschen die Beziehung zu seiner unmittelbaren Umwelt immer mehr verloren. Nicht wenige Mitbürger kennen ihren natürlichen Lebensraum nur noch im Bereich der Straßen und Häuser. Wandern verhilft zur Wiederentdeckung der heimischen Landschaft, man wächst in seine Region hinein, es entsteht Heimatbewusstsein. Wobei Heimat nicht mehr und weniger meint, als der Raum, in dem man lebt.

Das Weggehen entspricht dem Loslösen von alltäglichen Verpflichtungen, Sorgen und Problemen.  Man begibt sich auf die Suche nach dem Glück, das wir erstaunlicher Weise oft in der Ferne Suchen. Die "Sehnsucht nach der Ferne" wird seit der Romantik durch das Bild der "Blauen Blume" symbolisiert, das als erstes bei Novalis (1772-1801) auftauchte.

Die Wandervogel-Bewegung, Vorläufer der Jugend-Bewegung, 1896 in Berlin entstanden, griff das Symbol auf. Es taucht in vielen Liedern der Bewegung auf. (Zum Beispiel im Lied „Wir wollen zu Land ausfahren“: „Es blühet im Walde tief drinnen die blaue Blume fein, die Blume zu gewinnen, ziehn wir in die Welt hinein. Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluß, und wer die blaue Blume finden will, der muß ein Wandervogel sein.“)

Und das Ankommen: wie wohltuend es ist, nach langer Wanderung wieder zu sitzen, sich vielleicht bei einem kühlen Schluck und einer Vesper in lockerem Gespräch zu erholen. Da können einfachste Dinge zu höchstem Genuss führen. Über unsere geschärften Sinne kommen an einem solchen Wandertag Körper, Seele und Geist in ihr natürliches Gleichgewicht.

Wandern vermittelt konkrete Freiheitserfahrung.Wandern entschleunigt das immer schneller werdende Leben wenigstens auf Zeit. Wir können uns in dem Tempo entfalten, das dem Menschen biologisch angemessen ist.

Wandern ist Vielfalt: Landschaften, Pflanzen, Tiere bewundern, die Fitness trainieren, Geselligkeit genießen, kulturelle Sehenswürdigkeiten besuchen …, jeder kann das nach seinen individuellen Interessen auswählen.

Ein weiterer Vorteil des Wanderns ist, dass man zum Wandern nicht den "inneren Schweinehund" überwinden muss. Wandern ist praktisch überall möglich und man muss sich nicht erst eine teure Ausrüstung zulegen. Da sollten Sportmuffeln bald die Ausreden ausgehen …

Mehr zum Wandern finden Sie beispielsweise auf der Webseite des Deutschen Wanderverbandes. Wenn Sie ein paar Tage mehr Zeit zum Wandern haben, können Sie sich hier über Fernwege informieren.

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